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In Initiativen lernen - durch Initiative lernen [Preisverleihung]
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1. Vorsitzender des PARITÄTISCHEN Jugendwerkes NRW,
Dr. Volker Bandelow
1999 untersuchte ein Forschungsprojekt der OECD viele ca. 15-jährige Jugendliche in der Welt hinsichtlich ihrer Lernerfolge im jeweiligen Bildungssystem. Als das Ergebnis veröffentlicht wurde, traf Deutschland der Schock. Es war nicht Spitze. Ganz im Gegenteil. Ich brauche das hier nicht weiter auszuführen.
Es folgte allgemeines Flügelschlagen in der Medienöffentlichkeit, in der Wissenschaft, in der Politik. Jetzt müsse aber etwas passieren! So könne das nicht weitergehen!
Und klar - es passierte auch was: Die Idee der Ganztagsgrundschule wurde geboren. Auch in den Kindergärten sollte die Lernleistung gesteigert werden. Politiker und Wissenschaftler entwickelten Konzepte, Strategien, Pläne. Natürlich wollte man auch Geld zur Verfügung stellen.
Da man genau das aber nicht hat - versucht man es jetzt mit Umschichtung.
Doch davon später ...
Schon bald nach der Veröffentlichung der PISA-Studie hat das Paritätische Jugendwerk in einer eigenen Stellungnahme darauf hingewiesen, dass Bildung nicht nur in der Schule vermittelt wird. Schließlich reicht doch nicht nur das Erreichen kognitiver Lernziele, um im Leben zu bestehen. So wie Messer, Gabel und Löffel natürlich noch kein Dinner ausmachen, sind Lesen-, Schreiben-, Rechnen- und Grammatik-Können noch keine Bildung.
Ein solchermaßen erweiterter Bildungsbegriff liegt auch dem 11. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung zugrunde. Und er bestimmt schon immer die Praxis der außerschulischen Jugendarbeit.
Es gibt Lernerfahrungen, die für das Leben wichtig sind und die man nicht in der Schule machen kann. Bildungsangebote müssen eine Lebensweltorientierung haben. Die Trennung von Erziehung und Bildung ist zu überwinden. Darum geht es. Um dies zu unterstreichen hat das Paritätische Jugendwerk seinen diesjährigen Initiativenpreis unter das Motto "In Initiativen lernen - durch Initiativen lernen" gestellt.
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Ministerin für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen,
Ute Schäfer
Initiativen
haben es oft schwer. Sie sind klein, sie genießen nicht den Schutz großer Organisationen. Gerade darum will ich hier die besondere Leistung des Paritätischen Jugendverbandes hervorheben. Er gibt den Initiativen das Dach, unter dem sie sich frei entfalten können. Die Ungebundenheit bürgt für Ehrlichkeit und Engagement. Für Ideen und Identifikation und für Risiko und Realitätssinn.
Die Initiativen decken das Spektrum ab, in dem Jugendliche sich heute engagieren. Hier können die Kinder und Jugendlichen spontan und problemorientiert am gesellschaftlichen Leben teilhaben und richtig mitbestimmen.
In den Projekten spiegelt sich die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. So gehen sie an ihre Fragen heran, so stellen sie ihre Sichtweise dar. Ihnen geht es um grundsätzliche Fragen: wie wollen wir leben? Wie wollen wir lernen und wie können wir am besten lernen? Die Antworten der Initiativen sind praktisch und konkret. Die Themen vielfältig wie das Leben der Jugendlichen selbst.
Mädchen und Jungen erproben ihre handwerklichen Fähigkeiten, ihre organisatorischen Talente und ihre sozialen Stärken. Sie erweitern den Spielraum ihres Verhaltens.
Sie gewinnen Selbstvertrauen. Hier erfahren die Jugendlichen, dass sie zusammen mehr erreichen, dass ihre Beteiligung an der Gesellschaft gefragt ist, und dass sie für uns alle wertvolle Arbeit leisten.
Ministerpräsident Steinbrück nennt diese Arbeit "die ungeschriebene Verfassung unserer Gesellschaft".
Das Paritätische Jugendwerk setzt diese lebendige Landesverfassung schon seit 20 Jahren um und knüpft seither an einem flexiblen Netz der Initiativen. Und der Initiativen-Preis stellt besonders gelungene Projekte vor. Seit 10 Jahren wird er vergeben, das ist deutlich mehr als ein Strohfeuer, das ist ein richtiges Leuchtsignal.
Dafür möchte ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Paritätischen Jugendwerks meinen Respekt und meinen Dank aussprechen. Mit Ihrem Engagement bekommen die Initiativen die Anerkennung, die ihre innovative Arbeit verdient.
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Professorin am Institut für Sozialpädagogik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Dr. Karin Böllert
Kinder- und Jugendarbeit bildet
Als vor zwei Jahren der vierte Initiativen Preis des Paritätischen Jugendwerkes verliehen wurde, ist bei der entsprechenden Feier sehr eindrücklich auf die wenig erfreulichen Ergebnisse der PISA-Studie hingewiesen worden, ist das Entsetzen beschrieben worden, die diese ausgelöst haben und ist schließlich nach Auswegen aus der aller Orten beklagten Bildungsmisere gefragt worden. Zwei Jahre später ist PISA immer noch in aller Munde, die Ergebnisse sind immer noch Herausforderung genug und auch wenn die IGLU-Studie für die deutschen Grundschüler und –schülerinnen eher erfreulichere Ergebnisse zu Tage gefördert hat, wächst allmählich bereits die Angst vor der Veröffentlichung der Ergebnisse der PISA-Studie 2003. Und dennoch - zwei Jahre nach der letzten Preisverleihung befinden wir uns trotz aller Parallelitäten in einer ganz anderen Situation, reicht die Beschäftigung mit PISA weit über ein bildungspolitisches Wehklagen hinaus, sind erste Konsequenzen aus dem katastrophalen Abschneiden deutscher
Schülerinnen und Schüler gezogen worden. So verbirgt sich hinter dem Slogan "Bildung ist mehr als Schule" der folgenreiche Versuch, sich endlich von einem Bildungsverständnis zu verabschieden, das Bildung mehr oder weniger auf eine bloße
Wissensvermittlung reduziert. Zentraler Ort eines solchermaßen verkürzten Bildungsverständnisses ist die Schule. Aber nicht nur Schule selbst soll sich in Zukunft verändern und hat damit auch schon begonnen, auch Bildungsprozesse, die außerhalb von Schule stattfinden, erscheinen nun in einem ganz neuen Licht, erfahren eine sehr viel höhere Wertigkeit. Die Teilhabe an Bildung kann nicht mit dem Ende des Schulbesuches aufhören, sie ist lebenslänglich von zentraler Bedeutung für jeden einzelnen Menschen und für die Gesellschaft ein unschätzbar wichtiges Gut.
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Zur Preisverleihung gehörte natürlich auch das Feiern ...
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