Logo Ini-Preis Dokumentation Initiativenpreis 2003
PARITÄTISCHES Jugendwerk NRW
Wappen NRW Gefördert vom Ministerium für Schule, Jugend und Kinder NRW
Rede der Ministerin für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen,
Ute Schäfer
anlässlich der Verleihung des Initiativenpreises 2003 des Paritätischen Jugendwerkes am 19.12.2003 in Essen.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Ministerin Ute Schäfer I. Initiativen
Initiativen haben es oft schwer. Sie sind klein, sie genießen nicht den Schutz großer Organisationen. Gerade darum will ich hier die besondere Leistung des Paritätischen Jugendverbandes hervorheben. Er gibt den Initiativen das Dach, unter dem sie sich frei entfalten können. Die Ungebundenheit bürgt für Ehrlichkeit und Engagement. Für Ideen und Identifikation und für Risiko und Realitätssinn.
Die Initiativen decken das Spektrum ab, in dem Jugendliche sich heute engagieren. Hier können die Kinder und Jugendlichen spontan und problemorientiert am gesellschaftlichen Leben teilhaben und richtig mitbestimmen.
In den Projekten spiegelt sich die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. So gehen sie an ihre Fragen heran, so stellen sie ihre Sichtweise dar. Ihnen geht es um grundsätzliche Fragen: Wie wollen wir leben? Wie wollen wir lernen und wie können wir am besten lernen? Die Antworten der Initiativen sind praktisch und konkret. Die Themen vielfältig wie das Leben der Jugendlichen selbst.
Mädchen und Jungen erproben ihre handwerklichen Fähigkeiten, ihre organisatorischen Talente und ihre sozialen Stärken. Sie erweitern den Spielraum ihres Verhaltens. Sie gewinnen Selbstvertrauen. Hier erfahren die Jugendlichen, dass sie zusammen mehr erreichen, dass ihre Beteiligung an der Gesellschaft gefragt ist, und dass sie für uns alle wertvolle Arbeit leisten.
Ministerpräsident Steinbrück nennt diese Arbeit "die ungeschriebene Verfassung unserer Gesellschaft".
Das Paritätische Jugendwerk setzt diese lebendige Landesverfassung schon seit 20 Jahren um und knüpft seither an einem flexiblen Netz der Initiativen. Und der Initiativen-Preis stellt besonders gelungene Projekte vor. Seit 10 Jahren wird er vergeben, das ist deutlich mehr als ein Strohfeuer, das ist ein richtiges Leuchtsignal.
Dafür möchte ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Paritätischen Jugendwerkes meinen Respekt und meinen Dank aussprechen. Mit Ihrem Engagement bekommen die Initiativen die Anerkennung, die ihre innovative Arbeit verdient.

II. Bildung heute
In diesem Jahr steht der Wettbewerb unter dem Motto "In Initiativen lernen - durch Initiative lernen". Die Einsendungen zeigen uns viele gute Ideen zu Bildung und Ausbildung. Sie fragen: Wie können Kinder und Jugendliche am besten lernen? Wie und wo lernen sie das, was sie fit macht für ihr Leben und unsere gemeinsame Zukunft? Wie lernen sie, Informationen zu erfassen, selbstständig mit ihnen umzugehen und mit anderen zusammenzuarbeiten? Wie lernen sie, Probleme zu lösen und sich selbst zum Lernen zu motivieren? Wie lernen sie gerne, und ein Leben lang? Damit fragen sie nach den Kernkompetenzen für die Wissensgesellschaft.
Die Aufgabe von Schule und Jugendhilfe wird immer anspruchsvoller. Alle Kinder und Jugendlichen sollen gleiche Chancen in unserer Gesellschaft bekommen. Jede und jeder bringt aber unterschiedliche Erfahrungen und Vorraussetzungen mit. Jede und jeder braucht das Rüstzeug für unsere gemeinsame Zukunft. Gute Bildung und Ausbildung sind die besten Grundlagen für ihren persönlichen Erfolg. Aber Bildung treibt auch die Wirtschaft an. Persönliche Lebenschancen und wirtschaftlicher Erfolg hängen zusammen. Und nur eine gut ausgebildete junge Generation sichert unsere Zukunft.
Das ist die anspruchsvolle Aufgabe von Jugendhilfe und Schule. Hier haben auch die Initiativen ihren Platz.

III. Ziele von Jugendhilfe und Schule
Die Schule, die Jugendhilfe und die Initiativen haben zwei gemeinsame Ziele: mehr Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen herzustellen und mehr Eigenverantwortung der jungen Generation zu fördern.
Biografische Nachteile und Risiken im Leben der Kinder und Jugendlichen brauchen einen gesellschaftlichen Ausgleich. Nur dann gelingt es, allen Kindern annähernd die gleichen Chancen zu eröffnen.
Wir wissen: Jugendliche suchen Orientierung, sie wollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen und Anerkennung finden. Dazu bilden wir ihre Fähigkeiten, mit anderen zu leben und zu arbeiten, umfassend aus. Wie schaffen wir es, dass die Jugendlichen Selbstverantwortung und Initiative zeigen?
Wie viel und welche Bildung brauchen junge Menschen im 21. Jahrhundert? Bildung geht über fachliche Qualifikation hinaus, sie ist zugleich Lebenskompetenz, Wissen und Orientierung. Diese Elemente sichern die soziale Integration, den persönlichen und gesellschaftlichen Erfolg. Wir arbeiten daran, dass dieses Bildungsverständnis sich durchsetzt. Wir bringen die Stärken von Jugendhilfe und Schule zusammen. Für die Kinder und Jugendlichen und mit den Kindern und Jugendlichen. Wir fördern ihre Stärken, damit sie eigenverantwortliche Erwachsene werden. Wir fördern ihre Stärken, und zwar den ganzen Tag. Jugendhilfe und Schule kooperieren, um bestehende Barrieren abzubauen und gleiche Chancen durchzusetzen. Unser Ziel ist, Kinder und Jugendliche in allen Entwicklungsbereichen zu begleiten und zu fördern. Es geht um Bildung von Anfang an, in allen ihren Formen.

Wichtige Schritte sind getan. Für den Kindergarten haben wir mit allen Trägern eine Bildungsvereinbarung geschlossen. Die Schulen entwickeln wir zu einem offenen Haus des Lernens. Es ist den ganzen Tag geöffnet. Mit den Grundschulen fangen wir an. Wir haben in diesem Schuljahr mit 235 Schulen und 12.000 Plätzen begonnen. In wenigen Jahren wollen wir für 200.000 Kinder die Schule den ganzen Tag offen halten.
Später sollen auch in den weiter führenden Schulen mehr Ganztagsangebote gemacht werden. Doch wir wissen alle, die Mittel sind knapp. Und wir brauchen Geduld für unsere Ziele.

IV. Landesjugendplan
Das gilt besonders für den aktuellen Haushalt. Die knappen Mittel zwingen uns überall zu sparen. Die Einschnitte im Landesjugendplan sind auch für mich besonders schmerzhaft. Doch die Solidarität in der Landesregierung und in den Koalitionsfraktionen hat noch größere Kürzungen vermieden. Der Landesjugendplan wird im Vergleich zu anderen Bereichen prozentual weniger gekürzt. Unser Anliegen ist, die kinder- und jugendpolitische Infrastruktur in ihrem Kern zu erhalten. Deshalb erfolgen keine Kürzungen nach dem Rasenmäherprinzip. Und es wird auch weiterhin eine eigenständige Position für die Förderung von Initiativgruppen geben. Dafür bin ich allen Verantwortlichen sehr dankbar und im Ergebnis bedeutet das:
Der Landesjugendplan bekommt eine neue Struktur. Er konzentriert sich auf wesentliche Handlungsfelder der Jugendarbeit und setzt entsprechende neue Schwerpunkte in der Förderung.
Er unterstützt das Engagement der Organisation der Jugendarbeit, er trägt zur gesellschaftlichen Teilhabe junger Menschen bei, er verbessert das Zusammenwirken von Jugendarbeit und Schule, und er fördert Kinder und Jugendliche in besonders benachteiligten Situationen.

Ich betone deshalb an dieser Stelle: Der neue Landesjugendplan entspricht dem finanziell Machbaren. Er sieht harten Einschnitten entgegen, aber er lässt Raum für Gestaltungsmöglichkeiten unserer Kinder- und Jugendpolitik in Nordrhein-Westfalen.

V. Kooperationen in Jugendhilfe und Schule - Preisträger
Und diese Gestaltungsmöglichkeiten brauchen wir auch, um die aktuellen bildungspolitischen Herausforderungen zu meistern. Wir werden der Formel "Bildung ist mehr als Schule" ein Gesicht geben.
In der Kooperation von Jugendhilfe und Schule liegen große Chancen. In unserem Bildungssystem stecken viele Kompetenzen. Die müssen wir bündeln für ein ganzheitliches und lebenslanges Lernen.
Viele Projekte zeigen, und zwar nicht nur die, die heute ausgezeichnet werden, wie professionell, lebensnah und vielfältig Jugendarbeit Bildung vermittelt. Das hat mich sehr beeindruckt.
In ihrer Vielfalt zeigen diese Projekte den Reichtum unserer kulturellen Kinder- und Jugendarbeit. Sie sind innovativ und sie zeigen Wege für die Kooperation von Schule und Jugendarbeit. Sie dokumentieren eindrucksvoll, konkret und lebendig, wie viel Spaß und Erfolg hinter dem Wort Bildungsarbeit steckt.
Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern sehr herzlich.
Ihre Auszeichnung ist zugleich Ansporn auch für andere.
Das Paritätische Jugendwerk und alle Beteiligten sind auf einem guten Weg zu unserem gemeinsamen Ziel: mehr Chancengleichheit und mehr Eigenverantwortung für alle Kinder und Jugendlichen durch bessere Bildung. Dem Initiativenpreis gelingt das Kunststück, die auszuzeichnen, die Kindern und Jugendlichen zeigen, was sie selber für sich tun können. Das ist der Königsweg zu Autonomie und Eigenverantwortung. Ich danke Ihnen.
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